Der Kampf gegen den Widerstand
Der innere Widerstand ist ein echter Schweinehund

Der Kampf gegen den Widerstand - Der innere Widerstand ist ein echter Schweinehund

veröffentlicht am: 07. Sep 2018



Der Kampf gegen den Widerstand – Heute geht es darum, wie dein innerer Widerstand dir weißmachen will, dass der erste Entwurf deines Manuskripts veröffentlichungsreif wäre – oder du kurz davor bist ;-) Klick um zu tweeten


Inhaltsübersicht

Erster Entwurf fertig. Was nun?

Alles ist Kopfsache.

Was ist ein professioneller erster Entwurf?

 

Was macht man, wenn man den ersten Entwurf seiner Geschichte geschrieben hat?

Für mich ist es ganz klar, dass ich mein Lieblings-Analyse-Werkzeug einsetze, das mir hilft, einen sehr viel besseren zweiten Entwurf hinzubekommen.

Wenn da nicht die Panik wäre

So einfach, wie es klingen mag, ist es nicht. Ich habe mit Autoren gesprochen, die schon jahrelang an ihrem ersten Entwurf sitzen und einfach nicht zum Ende kommen. Das liegt nicht daran, dass sie es nicht wollen, aber sie hängen so sehr an ihren Geschichten und Figuren, dass sie einfach nicht loslassen wollen.

Das ist schon ein Zeichen des inneren Widerstandes, der dich hindert, dein Ziel zu erreichen.

Lass mich dir sagen, der Moment, wenn du ›Ende‹ unter deine Geschichte setzt, ist nicht das Ende des Weges vom Manuskript zum Buch.

Das erste Ende bedeutet zuallererst, stolz auf den ersten Entwurf sein, weil man ihn beendet hat. Du darfst dir sehr gern auf die eigene Schulter klopfen.
Das heißt aber nicht, dass du sofort ein Verlagsanschreiben erstellen oder deine Geschichte bei Amazon hochladen kannst.

Der erste Entwurf dient dazu, dass du dir vor Augen führst, wovon du erzählen willst. Kein erster Entwurf ist perfekt und vor allem nicht veröffentlichungsreif. Ich rede hier nicht von Sprache und Stil, sondern vom Aufbau der Geschichte an sich.

Auch für mich als Lektorin ist es schwer, mich vom Schreibprozess zu verabschieden und mich objektiv der Ansammlung von Szenen zu widmen, die ich geschrieben habe.

Ich kenne die Panik, die zu mir flüstert: »Oh nein. Wie soll ich es nur schaffen, diese Geschichte zu überarbeiten? Wie kann ich ihr Potenzial bewerten und einen Leitfaden für die zweite Überarbeitungsphase erstellen? …«

Alles, was ich mit meinem Blog versuche, ist ein Nachschlagewerk zu schaffen, wo das Handwerk des Schreibens und Lektorierens erklärt wird, sodass der große Brocken des Selbstlektorates für jeden Autor machbarer wird.

Selbst wenn das Selbstlektorat bedeutet, dass man sich von dem kreativen Prozess verabschiedet und in die Analyse des Geschriebenen eintaucht.

 

Alles ist Kopfsache

Wenn wir den Wandel vom Autor zum Lektor antreten, sollten wir uns einen Moment nehmen, um uns gut zu fühlen.

Der erste Entwurf ist fertig. Mach eine Woche Pause und freue dich über deinen Erfolg.

Der große erste Fehler

Leider ist es öfter der Fall, dass wir unserem Kopf nicht die Zeit geben, den Denkwechsel zu vollziehen. Zu schnell fühlen wir uns von all den Dingen überfordert, die noch nicht in unserer Geschichte korrekt sind und die am besten sofort behoben werden sollten.

Tritt dieses Gefühl ein, heißt das, dass wir noch zu nah am Schreibprozess sind und wir kurz davor sind, einen großen Fehler zu begehen.

Der größte Fehler, den man nach dem ersten Entwurf begehen kann, ist anzufangen Dinge zu korrigieren, bevor man eine To-do-Liste erstellt hat.

Im Kopf muss man weg von:

»Oh mein Gott! Ich bin fast fertig! Ich habe einen ersten Entwurf und bin nur noch ein paar Schritte vom Durchbruch entfernt. Sobald ich meine Sprache poliert habe, mache ich das und dann das. Und dann melde ich mich beim Agenten, der mir einen Vertrag bei einem der größten Verlage anbietet. Und paar Monate später …«

 

Du siehst, was ich meine.

Ungewollt fällt man in eine Spirale von Erwartungen und Emotionen, die einen die klare Sicht auf den weiteren Weg vollkommen vernebeln können.

Genau dann trifft uns der Widerstand.

Für jeden, der sich noch nicht mit dem inneren Widerstand auseinandergesetzt hat, für den ist Steven Pressfield’s Buch ›The War of Art‹ empfehlenswert.

In kurz: Der Widerstand ist eine Kraft, die uns daran hindert, die Arbeit zu tun, die wir tun sollten.

Wenn der erste Entwurf unseres Buchprojektes geschrieben ist, haben wir gerade Mal Runde 1 des Kampfes gewonnen. Und das nicht mit einem K.O., sondern nach Punkten.
Und du kannst dir vorstellen, der Widerstand ist nicht besonders glücklich über seine Niederlage.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir uns die Zeit geben, uns über die Fertigstellung des ersten Entwurfes zu freuen.

Wenn wir nur die Fehler und Makel der Geschichte sehen, greifen wir uns selbst an und der Widerstand wird gewinnen. Er hindert uns daran, das Buch zu schreiben, das man schreiben will.

Die erste Runde geht an dich

Freue dich darüber, dass du den Widerstand besiegt hast, der deine vorigen Projekte niedergeschlagen hat.

Und selbst wenn du jetzt noch keinen professionellen ersten Entwurf hast, so weißt du, dass du deinem Ziel näher gekommen bist.

Es liegt an dir, weiterzumachen und das beste aus deiner Geschichte herauszuholen.


Erklärung:

Was ist ein professioneller erster Entwurf?

Am besten lässt sich die Antwort auf obige Frage darstellen, wenn wir definieren, was der Entwurf eines Anfängers wäre:

Der Entwurf eines Anfängers verfügt über eine Ansammlung von Szenen, die keinen klaren Anfang, Mittelteil und ein Ende besitzen. Die Szenen verfügen über keinen Wertwandel und nichts steht auf dem Spiel. Die Komplikationen sind alle in ihrer Intensität gleich oder voller Klischees.

Die Geschichte liest sich so, dass man bereits am Anfang sofort weiß, was passieren wird. Man hat sich keine Gedanken zu der globalen Geschichte gemacht, zu den Wendepunkten, Pflichtszenen und Konventionen des Genres.

Diese Entwürfe müssen komplett neu überarbeitet werden, denn sie bilden keine Geschichte mit einem Spannungsbogen, der sich vom Anfang über die Mitte bis zur Auflösung entwickelt, sondern es ist nur eine Ansammlung von Worten.

 

Mit einem professionellen ersten Entwurf setzt der Widerstand ein, der uns weißmachen will, dass wir unser Buch fast fertig haben.

Wir haben zwar im Groben und Ganzen eine Geschichte, deren Szenen funktionieren, aber wir sind noch nicht an dem Punkt, dass wir dem Widerstand glauben können, wenn er uns davon träumen lässt, den nächsten Bestseller geschrieben zu haben.

 

Es ist okay mit dem ersten Entwurf noch nicht am Ende des Buchprojektes angekommen zu sein.

Du musst dir auch noch keinen Kopf um deine Sprache und deinen Schreibstil machen. Du bist der Gutachter, der mit einem Messgerät durch den Rohbau schreitet und die Makel aufschreibt, die noch behoben werden müssen. Du erstellst eine To-do-Liste, was im nächsten Bauabschnitt getan werden muss.

 

Also nochmal, weil man es nicht klar genug sagen kann: Im ersten Entwurf geht es nicht darum, der nächste Goethe zu werden. Sprache und Stil müssen nicht poliert werden – das passiert erst bei den letzten 5-7 Entwürfen!

 

Wenn du jetzt aufhörst zu lesen, gewinnt dein innerer Widerstand.

Ich verspreche dir, dass ich dir helfe, deine To-do-Liste zu erstellen.

Aber es wird dein innerer Widerstand sein, der dich anstupst und sagt: »Hör nicht auf Melanie. Überarbeite einfach die Szene, die dir nicht gefällt, und dann hast du dein Buch fast fertig.«

 

Und so wird es weiter gehen.

Der Widerstand flüstert unaufhörlich: »Oh man, ich muss diese Probleme in meiner Szene beseitigen, weil die mich einfach verrückt machen.«

 

Und was geschieht?

Bevor du überhaupt deine To-do-Liste erstellt hast, verschwendest du deine Zeit, indem du versuchst die ersten Fehler zu beheben, ohne zu wissen, was eine Änderung hier und da überhaupt für die globale Geschichte bedeutet.

Und ehe du dich versiehst, hast du nicht nur deine Zeit vergeudet, sondern auch deine Geschichte ruiniert.

Es ist wichtig, dass du aufhörst, deine Geschichte unter einem Mikroskop zu betrachten. Du musst in den Himmel hinauf, so hoch wie Flugzeuge fliegen, und von dort auf deine Geschichte herabschauen. Frage dich, was du mit deiner Story erreichen willst und finde all die Orte, die nicht zur Erreichung deines Ziels beitragen.

 

Du musst also all die Probleme finden, analysieren und sie am besten im Tabellenformat auflisten – von der gesamten Geschichte – Szene 1 bis zur letzten.

 

Wenn du diese Liste erstellt hast – die Szenenübersicht deines Romans – kommst du wieder an den Punkt, wo dich der Widerstand K.O. schlagen will. Er wird dir sagen: »Oh man, da funktioniert so viel nicht. Hör besser auf, das wird doch nichts.«

Aber auch hier solltest du dir bewusst machen, dass du wieder einen Schritt getan hast. Jetzt kennst du all die Probleme deiner Geschichte und du kannst Lösungen finden. Manche Lösungen werden mehrere Probleme auf einmal lösen und du wirst dir Schritt für Schritt einen besseren zweiten Entwurf erarbeiten.

 

Dieser Beitrag teilt sich aufgrund der Länge in zwei Beiträge auf.

Die Fortsetzung erscheint am 14. September, wo ich dir auch helfe, die Tabelle zur Analyse deiner Szenen zu erstellen.

Ich freu mich auf dich.

 

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Melanie liebt das Story Grid - Autorin und Lektor nach den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne

Melanie liebt das Story Grid

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand dieser Blog, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben

Melanie Naumann orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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