Thriller – Konventionen & Pflichtszenen
Die Erwartung an einen Thriller

Thriller – Konventionen & Pflichtszenen - Die Erwartung an einen Thriller

veröffentlicht am: 13. Jul 2018



Thriller – Konventionen & Pflichtszenen – Was sind die Erwartungen, die ein Leser an einen Thriller hat? Klick um zu tweeten


Inhaltsübersicht

Konventionen aus dem Krimi

Konventionen aus dem Horrorgenre

Konventionen aus dem Actiongenre

Zusammenfassung: Konventionen und Pflichtszenen eines Thrillers

 

Der Thriller, das Genre unserer Zeit, ist eine Kombination aus Action, Horror und Krimi.

Es ist gebräuchlich den Thriller im Action oder Krimi Genre anzusiedeln, weil viele Pflichtszenen und Konventionen des Thrillers aus diesen beiden Genres stammen. Das Horror-Element ist wie die Kirsche auf der Sahne des Eisbechers, das den Thriller so besonders macht.

 

Die Konventionen des Thrilles

Welche Konventionen erhält der Thriller vom Krimi-Genre?

Ein Thriller handelt von Gerechtigkeit, obwohl der Leser nicht wie in einem Krimi damit rechnen kann, dass der Täter seine gerechte Strafe bekommen wird.

  • Ein Thriller braucht ein Verbrechen.
    Mit dem Verbrechen folgt die Rolle des Täters und des Opfers (Leichen, Verwundete oder Geiseln)
  • Das Verbrechen muss früh in der Geschichte geschehen.
  • Das Verbrechen muss einen Hinweis auf das MacGuffin des Täters geben.
  • Ein Thriller braucht einen außerordentlich cleveren Antagonisten (Mörder, Psychopath, ...) und einen genauso außergewöhnlichen Protagonisten (Ermittler, Detektiv, Person, die über sich hinauswachsen kann, ...), wobei der Antagonist mehr Macht innehaben sollte.
  • Der Antagonist muss seine Verbrechen persönlich werden lassen, bezogen auf den Protagonisten. Er kann entweder von Beginn an versuchen, das Leben des Protagonisten zu nehmen, zu zerstören, zu demütigen oder zu verdammen oder erst im Lauf der Geschichte. Jedoch müssen seine Verbrechen eskalieren und persönlich werden. Der Protagonist muss zum Opfer werden.
  • Die Geschichte braucht Hinweise und rote Herringe. Der Protagonist untersucht und folgt Hinweisen, um den Täter zu fassen. Einige Anhaltspunkte sind falsche Fährten und dienen dazu, den Protagonisten wie auch den Leser fehlzuleiten.
  • Der Wertwandel in einem Krimi kann sich von Gerechtigkeit zu unfair zu Ungerechtigkeit bis hin zu Tyrannei wandeln. Die meisten Krimis enden jedoch in Ungerechtigkeit (Wird der Ermittler den Täter schnappen? – normalerweise schon.)
    In einem Thriller hingegen werden die Werte oft bis an ihre Grenzen hinausgejagt.
    Wenn der Protagonist den Täter nicht zur Strecke bringt, dann folgt Tyrannei und der Misserfolg des Protagonisten Gerechtigkeit zu bringen wird zu einer universellen Eigenschaft, d.h. wenn schon unsere besten Leute es nicht schaffen, diese Mistkerle zu schnappen, dann haben die Bösen gewonnen. Es gibt keine Gerechtigkeit und wir leben in Tyrannei.

 

Welche Konventionen erhält der Thriller vom Horror-Genre?

Wie um Action-Genre steht das Leben auf dem Spiel. Und wie beim Krimi angesprochen, wird dieser Wert auch wieder überschritten.

Das Horror Genre endet nicht mit dem Tod, sondern mit einem weitaus schlimmeren Schicksal: Verdammnis.

Obwohl der Thriller viele Elemente aus dem Krimi übernimmt, so liegt der globale Wert des Thrillers im Horror-Genre.

Wie bereits erwähnt ist der Antagonist im Horror-Genre dem Protagonisten weitaus überlegen, sei es kräftemäßig, vom Intellekt oder übernatürlichen Fähigkeiten. Das Gleichgewicht der Kräfte ist so unausgewogen, dass es schon beinah unrealistisch ist.

Im Thriller ist das Kräfteverhältnis zwar nicht ganz so stark ausgeprägt wie im Horror-Genre, aber dennoch mehr als in einem normalen Krimi.

Und vor allem, ein Thriller ist realistisch und glaubhaft, so sehr, dass man Angst hat, dass die Geschichte im wahren Leben wirklich passieren könnte. Der Antagonist in einem Thriller ist ein menschliches Monster.

»Die Anpreisung des Schurken«

Im Horror Genre existiert eine Szene namens: »Die Anpreisung des Schurken«, so auch im Thriller.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt es eine Rede, um klarzustellen, wie groß die antagonistischen Kräfte wirklich sind.

»Der Held in der Gnade des Schurken«

Ebenso gleich wie im Horror Genre gibt es die Szene: »Der Held in der Gnade des Schurken«. In dieser Szene muss sich der Protagonist in der verzwickten/beklemmenden Lage befinden, dass er dem Antagonisten hilflos ausgeliefert ist.

Es gibt für unseren Helden keinen Weg, sich aus den Fängen des Antagonisten zu befreien.

Dennoch gelingt es dem Protagonisten, den Schurken entweder auszutricksen oder ihn zu besiegen und zu fliehen. Dieser Moment gehört mit den zu schwierigsten für jeden, der versucht, einen Thriller zu schreiben. Diese Szene ist gleichzeitig das absolute Muss und der Moment, auf den jeder Leser entgegenfiebert. Lass dir was außergewöhnliches einfallen!

Zwei Enden

Sehr wichtig ist es auch, zu beachten, dass ein Thriller immer zwei Enden besitzt. Ein Falsches, und ein Richtiges.

Das erste Ende ist immer das falsche Ende. Alles scheint wieder in Ordnung zu sein, aber plötzlich, wie in »Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast« taucht die Hakenhand wieder unter dem Bett auf und reist das Mädchen mit sich. Der Täter ist, trotz allen Irrglauben, noch nicht besiegt und schlägt ein letztes Mal zu.


Welche Konventionen erhält der Thriller vom Action-Genre?

Vom Action-Genre erhält der Thriller den Lauf gegen die Zeit.
An einem kritischen Punkt in der Geschichte wird dem Protagonisten ein begrenztes Zeitfenster gegeben, um den Bösewicht oder irgendeine kranke Maschinerie zu stoppen. Sollte es dem Protagonisten nicht gelingen, gewinnt der Böse automatisch.

Die Zeitangabe ist ein Weg für den Autor, um die Grenze der Geschichte genau zu definieren = das Schicksal, das schlimmer als der Tod ist – Verdammnis.

Wenn der Protagonist sich nicht entscheidet, wird seine Unentschlossenheit ihn verdammen. Es wird seine Schuld sein, dass der Böse gewonnen hat, weil er seiner Berufung nicht Folge leistete.
Ein Kampf gegen die Zeit ist kein Muss in einem Thriller, aber er hilft, um herauszustellen, was auf dem Spiel steht.

 

Zusammengefasst lauten die Konventionen und Pflichtszenen eines Thrillers wie folgt:

  • Auslösende Ereignis ist ein Verbrechen
  • MacGuffin
  • Falsche Fährten
  • Anpreisung des Schurken
  • die Einsätze werden persönlich für den Protagonisten. Wenn es ihm nicht gelingt, den Bösen aufzuhalten, drohen ihm schreckliche Konsequenzen
  • der Protagonist muss zum Opfer werden
  • der Held muss sich in der Gnade des Schurken wiederfinden
  • falsches Ende – es gibt zwei Enden
  • Kampf gegen die Zeit (gut, um den langen Mittelteil einer Geschichte spannend zu halten)


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Melanie liebt das Story Grid

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand dieser Blog, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben

Melanie Naumann orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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