Das Horror-Genre
10 Dinge, die fürs Grauen nicht fehlen dürfen

Das Horror-Genre - 10 Dinge, die fürs Grauen nicht fehlen dürfen

veröffentlicht am: 10. Aug 2018



Das Horror-Genre – 10 Fragen und Antworten, die du beim Schreiben einer Horror-Geschichte wissen solltest. So findest du die Szenen, die deine Figuren erschrecken werden. Klick um zu tweeten


Kennst du das?

Bevor man 18 war, hat man mit Freude heimlich die Filme gesehen, die ab 22:00 Uhr liefen und einen mit der Warnung begrüßten: Die nachfolgende Sendung ist nicht für Zuschauer unter 18 Jahren geeignet. Keine Kindersicherung und Altersabfragen – Horrorfilme waren das Wagnis des Erwachsenwerdens.

The Ring, 28 Tage später, SAW, Paranormal Activity ... all diese Bilder von menschenfressenden Zombies, krankhaften Folterspielen, Geistern und Kreaturen, die aus dem Fernseher herauskrochen, haben uns begeistert.

Mich haben sie geprägt.

Es sind Eindrücke, die meinen Kopf nie wieder verlassen und mich mit Schrecken feststellen lassen, dass es keine kranken Köpfe sind, die sich solche Geschichten ausdachten, sondern die Filme sind ein Spiegel des Grauens unserer Gesellschaft in abstrakter Form.

Es sind Untiefen, wo du im Schatten des übernatürlichen Monsters schwimmst, ohne zu ahnen, in welcher Gefahr du schwebst. Schneller, als du es erwartest, wirst du zu seinem nächsten Opfer.

Damit haben wir schon den Kernpunkt von Horrorgeschichten gefunden:

Im Horror-Genre gehört der Protagonist immer zu den Opfern.

 

1. Wie beginnt eine Horror-Geschichte?

Das auslösende Ereignis der Geschichte ist die Attacke des Monsters.

Es ist also eine Erwartung des Lesers, dass auf den ersten Seiten der Geschichte etwas so grauenhaftes und schreckliches passiert, dass wir ein Gefühl dafür bekommen, wie durchtrieben/böse/blutrünstig/herzlos/krank der Gegner ist.

Wir müssen die übernatürliche Stärke des Monsters spüren und uns fragen, wie man dieses Grauen besiegen soll, weil es so mächtig erscheint.

 

2. Wie kann man den Anfang einer Horror-Geschichte am einfachsten zusammenfassen?

Das auslösende Ereignis (die Attacke eines Monsters) wirft den einzelnen nicht-heroischen Protagonisten aus dem Gleichgewicht.

Dieser Schreck über das Geschehen ist so groß, dass der Protagonist aktiv sein bewusstes Objekt des Verlangens verfolgt: sein Leben zu retten.

 

3. Was ist der Kernwert, um den sich das Horror-Genre dreht?

Wenn wir mit der Attacke des Monsters beginnen, wissen wir sofort, dass sich die Geschichte um Leben und Tod drehen wird.

Vom Thriller, der sich am Horror-Genre orientiert, wissen wir, dass wir über die Skala von Leben und Tod hinausschießen und bis ans Ende des Möglichen gehen: dem Schicksal, das schlimmer als der Tod ist.

An diesem Endpunkt ist es eine Gnade, wenn man sterben dürfte. Das Leben, wie man es einst kannte, existiert nicht mehr. Man muss sich dem Grauen stellen oder wortwörtlich in Verdammnis weiterleben. Im Thriller wäre es auf einem psychischen Level wie Reue, die aus einer Entscheidung heranwachsen würden, die man sich nicht verzeihen könnte.

Im Horror-Genre ist diese Verdammnis körperlich spürbar. Wenn der Protagonist es nicht schafft, das Monster zu stoppen, ist er verdammt – und sei es durch die Qualen, die ihm das Monster und allen zukünftigen Opfern bereiten wird.

 

4. Welche Emotion lösen Horror-Geschichten aus?

Angst und Furcht.

 

5. Was ist die beliebteste Szene in Horror-Geschichten?

Wenn wir einen Thriller lesen, ersehnen wir den Moment, wo unser Held in der Gnade des Schurken ist. Es scheint keinen Ausweg mehr zu geben und der Held ist dem Antagonisten hilflos ausgeliefert.

Auch im Horror-Genre gibt es die Szene, wo sich unser Protagonist in der Gnade des Monsters befindet. An dieser Stelle ist er nicht Held, sondern das Opfer.

Wie beim Action-Genre treiben auch beim Horror-Genre die antagonistischen Kräfte (Monster) die Handlung voran.

 

6. Welcher Realität gehören Horror-Geschichten an?

Die Geschichten des Grauens drehen sich ums Überleben. Die Figuren erleben Schicksale, die bis an die Grenze der menschlichen Erfahrung reichen.

Da wir von einem Monster sprechen, wenn wir uns auf die antagonistische Kraft beziehen, siedeln sich Horror-Geschichten meist in der Rubrik Fantasie an (nicht Verkaufskategorie, aber bezogen auf die Realität - hier dazu mehr)

 

7. Was ist die wichtigste Konvention im Horror-Genre?

Hast du schon mal eine Horror-Geschichte gesehen, wo das Monster / die böse Kraft jemanden verschont hat, weil die Argumentation des Opfers so gut war?

Nein, im Horror-Genre ist der Gegenspieler, das übernatürliche Monster, regelrecht vom Bösen besessen.

Man kann mit ihm nicht diskutieren.

Sie haben kein Interesse zuzuhören, sie wollen die Figuren vernichten. Das ist ihr Antrieb – beinahe wie ein Urinstinkt. Sie wollen jagen und stoppen für nichts und niemanden.

 

8. Was sind die Unterkategorien des Horror-Genres?

Es gibt drei Unterkategorien des Horror-Genres. Sie beziehen sich darauf, wie/was das Monster ist.

Das unheimliche Monster

Das sind Geschichten, wo man die Kraft des Bösen noch erklären kann. Das heißt, hier gibt es die von Menschenhand erschaffenen Monster, Aliens oder die besessenen Irren wie der Fischer in "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" oder Jason von Freitag, der 13.

Auch hier gibt es keinen Weg, die Bösen zu überzeugen, dass sie aufhören sollen.

Sie wollen nichts anderes außer ihre Blutlust zu befriedigen.

Das übernatürliche Monster

Das Monster in diesen Geschichten ist nicht "real". Das heißt, die antagonistische Kraft gehört in die spirituelle Welt und kann nicht wie ein von Menschen erschaffenes Monster, die auf Planet Erde landenden Außerirdischen oder der sensenschwingende Fischer erklärt werden.

In diese Unterkategorie gehören die Zombies, die Vampire, Geister, Freddie Krüger Schauergestalten sowie Menschen, die plötzlich von Geistern besessen sind und durch diese angetrieben werden, die Menschen in ihrem Umfeld zu töten.

Das zweideutige Monster

In diesen Geschichten weiß der Leser nicht, woher die Kraft des Bösen rührt.

Ist sie übernatürlich oder unheimlich?

Oder ist der Protagonist nicht ganz richtig im Kopf?

Bestes Beispiel, das mir einfällt, weil ich mit 17 Jahren diesen Ort besuchte: das Stanley Hotel im Estes Park Colorado, das als Schauplatz für Stephen Kings "The Shining" diente.

In dieser Geschichte haben wir es mit einem Protagonisten zu tun, der durch Alkoholismus, Egoismus und Verzweiflung einer teuflischen Kombination ausgesetzt ist. 

 

 

9. Wie endet eine Horror-Geschichte?

Das auslösende Ereignis der Geschichte gibt gleichzeitig das Versprechen auf das Ende.

Im Horror-Genre fällt Anfang und Ende auf jeweils eine Pflichtszene des Genres, die unbedingt vorhanden sein müssen.

Wir kennen das Ereignis, das die Geschichte in Gang setzte: die Attacke des Monsters. Demnach ist der Höhepunkt der Geschichte der Moment, in dem das verwundete Opfer das Monster besiegt.

Wichtig ist, dass du dir beim Schreiben keinen Ausweg lässt, wie deine Hauptfigur am Ende des Monsters besiegen wird. Generell ist es ein guter Tipp, wenn du dir beim Schreiben keine Gedanken machst, wie dein Held aus der Misere wieder herauskommt, in die du ihn immer tiefer fallen lässt. Wenn du von Anfang an am Ausweg arbeitest, wird der Leser schnell wissen, wie der Held aus der Klemme kommt.

Deswegen am besten erst wenn du beim "Endgegner" angekommen bist, überlegen, was deine Figur kann, um ihn besiegen zu können.

 

10. Was sind die Pflichtszenen einer Horror-Geschichte?

 

Schreibst du Horror-Geschichten?

Was ist für dich ein Must-Have beim Schreiben? Bei was hast du am meisten Spaß, wenn du ins Grauen eintauchst?

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 - Autorin und Lektor nach den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand dieser Blog, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben

Sie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.




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